Teammitglieder der GarageBilk – Sylvia Windisch

Heute stellen wir euch keinen Coworker, sondern unsere beiden neuen Teammitglieder Sylvia und Ronja vor. Hier erfährst du alles über unseren neuen Host Sylvia Windisch.

Du hast eine Ausbildung zur Verlagskauffrau gemacht, sehr viele verschiedene Jobs, dein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Jüdische Studien, Jiddistik und Germanistik studiert. Wie kam es zu diesem spannenden Lebenslauf?

Ich ging als damals 16 jährige davon aus, dass eine kaufmännische Ausbildung das Maß aller Dinge sei und man am besten einen Beruf erlernt, der die Zukunft sichert. Schon sehr bald aber merkte ich, dass mich dies nicht erfüllte und begab mich nach erfolgreichem Abschluss meiner Ausbildung auf die Suche nach meinem Traumjob. Ich probierte mich in nahezu allem aus, vornehmlich im Bereich der Zeitarbeit kam ich in bis zu 30 Firmen jedweger coleur unter und lernte, arbeitete. Auch wurde ich von namhaften Firmen in durchaus höhere Positionen befördert. Mich wurmte aber schon immer die Tatsache, dass ich mein Abitur nie auf der Schule erwarb und fühlte mich in den ausgeübten Jobs auch nie wirklich wohl. Also wog ich Risiko, Lebensstandard, die Stimme meiner Mutter, mit meiner Stimme ab. Ich habe gewonnen. So kündigte ich meinen Job, meine Wohnung, und brach von Wuppertal nach Düsseldorf auf, färbte mir die Haare blond, zog in eine verrückte WG und machte fortan mein Abitur nach. Sylvia 2.0 war geboren.

Das klingt nach einer Erlebnis-  und facettenreichen Erfahrung die du da gemacht hast. Wie ging es weiter und wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Fächerkombination?

Nachdem ich also mein Abitur in der Tasche hatte, stellte sich alsbald die Frage nach dem: Und nun? Studieren? Irgendwas mit Medien? Irgendwas, bei dem man reich wird? Vielleicht auch etwas, was zukunftssicher ist? Klingt hervorragend. Schien aber nicht meins gewesen zu sein. Geisteswissenschaften bitteschön. Genau das Gegenteil :-)

Für das Judentum interessierte ich mich schon immer. Das Fach Jüdische Studien bot alles, was mich interessierte: Die jüdische Geschichte, Kunst, die Sprache, Literatur und ganz schön interessante Menschen. Als Nebenfach wählte ich die Jiddische Sprache, Kultur und Literatur und zur Abrundung Germanistik. Das Studium war zunächst recht mühselig, mehrere Jahre Hebräisch in allen möglichen Facetten, die hellste Kerze auf der Torte war ich dort zunächst nicht. Aber mein Ehrgeiz war geweckt. Ich verbesserte mich, war sozial vernetzt, war in der Fachschaft, im Vorstand, ich habe quasi dort gelebt, so oft war ich da, tags wie spät abends. Ich war angekommen. Ich habe mich wohlgefühlt, mehrere Anstellungen in unserem Institut gehabt, bekam eine Auszeichnung und gehörte quasi zum Inventar. Da wurde mir auch klar, was es heißt, sich mit dem was man gerne tut, zu identifizieren.

Danach hast du promoviert?

Nachdem ich mein Studium erfolgreich beendete und meine Magisterarbeit über „Judenbilder im Lichtspielhaus. Antisemitismus und Deutscher Film der Weimarer Zeit und des Dritten Reichs “ beendet hatte, war für mich völlig klar, wie es weitergehen würde. Ich wollte promovieren. An dem Prinzip, das nach jeder beendeten Tätigkeit etwas größeres auf mich wartete, hatte ich doch nun Gefallen gefunden. Gesagt getan, ich begann meine Promotion – hier jedoch hat die Einsicht, dass ich dafür einfach nicht geboren bin, etwas länger gedauert. Es ist nicht nur die fachliche Frage, mit der man sich jahrelang beschäftigt, es geht auch um die Persönlichkeit. Letzteres wurde mir dann nach ein paar Jahren klar. Disziplin, Ideen und Sitzfleisch hatte ich massig. Aber nicht den Willen, mir selber das Lachen zu stehlen. Und dies, drohte leider zu geschehen. Der Preis schien zu hoch. Und so, begrub ich diesen Plan. Mit keiner Träne.

Man kann sagen, Ziele muss man weiterverfolgen. Ich aber sage, Ziele können sich auch wandeln.

Was machst du nun?

Ich gebe nun Kurse, unterrichte und betreue angehende junge Akademiker aus allen Ländern, und vermittel ihnen die deutsche Sprache, damit sie schließlich hier die Zulassung bekommen, studieren zu dürfen um ihre Träume und Ziele zu verwirklichen. Ich liebe diesen Job. Das Unterrichten macht mir Spaß, die Kulturen fremder Länder und die menschlichen Beziehungen die sich daraus ergeben. Hier kann ich all das anwenden, was mich im Laufe meiner beruflichen, nicht ordnungsgemäß gradlinigen Laufbahn geprägt hat und das mit Herz und immer noch mit meinem Lachen :)

Zudem bin ich ab jetzt ja auch an zwei Tagen in der Woche für euch als Host da :-)