Wolfgang Kierdorf ist Unternehmer und Berater für StartUps. Er weiß, worauf es bei der Mitarbeitersuche ankommt und wie Arbeitgeber Talente finden und fördern.

Talente suchen und finden – Tipps von Wolfgang Kierdorf

Du suchst die richtigen Mitarbeiter für dein Unternehmen? Du baust gerade dein Netzwerk auf und knüpfst Kontakte? Dann weißt du, wie hart und anstrengend das sein kann. Talente zu finden ist ein Knochenjob. Oder? „Gar nicht so schwer, wenn du dir die Leute holst, die für Ihre Aufgaben und deine Idee brennen“, sagt Wolfgang Kierdorf.

Der Unternehmensberater und mehrfacher Start-Up-Gründer weiß, wovon er spricht. In seinem Vortrag mit dem Titel „Talente finden und fördern, wie sich gute Mitarbeiter im eigenen Unternehmen oder von außerhalb finden lassen” erklärt er, worauf bei der Personalsuche geachtet werden sollte.

“Es sind im Grunde drei Regeln, wenn du die passenden Mitarbeiter für dich finden willst” erläutert er den Teilnehmern lachend.

  1. Gib keinen Job ab, den du nicht beherrscht.
  2. Definiere genau was du abgeben willst und schreibe es auf.
  3. Dokumentiere die Arbeitsschritte, die zu tun sind.

Die logische Konsequenz: Mit diesen Regeln lässt sich ein Bewertungsmaßstab entwickeln, der die Kriterien guter bzw. schlechter Arbeit festlegt. Der Vorteil ist, dass wenn ein Arbeitgeber bzw. eine Führungskraft einen Job abgibt den er selbst nicht beherrscht, bereits im Vorfeld Faktoren festgelegt sind, an denen die Qualität messbar ist. Indem eine Jobbeschreibung so konkret wie möglich ist, sind auch die einzelnen Arbeitsschritte besser messbar

Doch wie findet man Mitarbeiter die genau so ticken wie man selbst? Gerade als Start-Up sucht man Leute, die in die gleiche Richtung denken und für die Idee brennen. Schaut man sich jedoch die Stellenanzeigen an, die in Deutschland veröffentlicht werden, dann ist es immer der gleiche Aufbau und fast ein identischer Wortlaut. “Jobbeschreibungen, wie wir sie kennen, sind rund und glatt”, kritisiert Wolfang Kierdorf. Aufgaben und Erwartungen werden kurz und knapp formuliert. Was die Unternehmen wirklich wollen steht in keiner Ausschreibung. Genau dieses Manko hat schon die Karriere- und Entwicklungsexpertin Svenja Hofert in ihrem Artikel „Ehrliche Jobanzeigen – Wie sich die Zahl passender Bewerber ganz einfach erhöhen ließe“ bemängelt. Talente lassen sich so weder finden noch im eigenen Unternehmen identifizieren.

“Der Mensch selbst hat aber Ecken und Kanten. Wenn du sie abschneidest und ihn in diese runde Jobausschreibung presst, holst du niemals das Beste aus ihm raus.“

Die Folgen:

  • Sie langweilen sich
  • Sie bekommen einen Burn-Out
  • Sie kündigen (innerlich)

Die Auswirkungen von Burn-Out oder eine hohe Mitarbeiter Fluktuation sind für Unternehmen wirtschaftlich und personell katastrophal. Engagement seitens der Mitarbeiter oder auch innovative Ideen bleiben so auf der Strecke. Von einer Weiterentwicklung seitens des Unternehmens muss man gar nicht erst reden.

Die Lösung könnte dahin gehen, dass Mitarbeiter eingestellt werden, für die die Jobs „geschaffen“ werden. Für Kierdorf sind das zwei Arten von Mitarbeitertypen:

  1. Experten
  2. Intrapreneure

Letztere bringen ein Denken außerhalb der Box mit sich und können mit ihrer Individualität viele neue Impulse in ein Unternehmen einbringen. Ein Experte kennt sich dagegen in einem Bereich hervorragend aus und ist genau dafür der ideale Ansprechpartner.

Doch wie findet man Intrapreneure? Was zeichnet sie aus? “Intrapreneure brennen”, so Kierdorf. “Sie sind im Grunde ihres Herzens Unternehmer, wissen es aber nicht. Für Arbeitgeber zeichnet sie aus, dass sie eine ganz besondere Fähigkeit haben, für eine Idee, Vision oder Meinung brennen, als schwierige Persönlichkeit gelten, besonders gut mit Menschen können oder aber alle genannten Faktoren vereinen.”, erklärt Wolfang Kierdorf den Vortragsteilnehmern.

Und genau an der Stelle ist der Arbeitgeber gefragt. Es obliegt ihm den Mitarbeiter zu finden und zu formen, praktisch wie ein Coach zu agieren. Sie rauszuholen aus ihrer Komfortzone, so der Berater und Unternehmensgründer. Als Arbeitgeber hat man die Verantwortung das Beste aus seinen Leuten herauszuholen, sie zu fördern und das nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern weil es zum Vorteil des Unternehmens und des Arbeitnehmers ist. “Talente zu verlieren ist mehr als nur Geld oder Ressourcen zu verlieren. Es zerstört dein Unternehmen”, ist Kierdorf überzeugt.

Doch wie lassen sich Talenten halten? Mit Begeisterung! Geld ist ein Faktor, aber nicht der entscheidende. Es geht um Leidenschaft für ihre Arbeit bzw. ihr Thema! Im Grunde sind es sechs Komponenten, die Talente erfüllt haben möchten:

  1. Einer Vision leidenschaftlich folgen
  2. Einer Tätigkeit mit Sinn nachgehen
  3. Er muss sich mit seinen Aufgaben, der Idee etc. identifizieren
  4. Er braucht Freiheit
  5. Er möchte einen Traum erfüllen
  6. Wie ein Mensch behandelt werden

Wer einen Experten sucht, der stellt jemanden mit bestimmten Fähigkeiten ein. Wer einen Intrapreneur sucht, stellt den aufgrund seiner Leidenschaft für den Job ein.