Ehrenamtliche Programmierstunden in der GarageBilk

Christophe Leske von multimedial.de gibt einem syrischen Flüchtling kostenlosen Unterricht. Um genau zu sein: Programmierunterricht. Bei uns in der GarageBilk.
Wir finden: Eine schöne Geschichte und durften uns mit Christophe unterhalten, wie es zu ebendieser Story kam.

Hallo Christophe, vergangene Woche hast du unseren Coworking Space in einer doch eher besonderen Mission besucht. Gemeinsam mit Mahmoud Al Abed, einem syrischen Flüchtling, hast du in unserem Besprechungszimmer kein Deutsch, sondern die Programmiersprache ausgepackt und Mahmoud kostenfreie Programmierstunden gegeben. Wie genau kam es dazu?

Der Kontakt zu Mahmoud Al Abed kam zustande über Sebastian Riesop, der wohl Mahmoud Privatstunden gibt. Er empfahl ihn mir als zuverlässig und interessiert daran, sich im Bereich IT weiterbilden zu wollen.

Was genau hast du ihm vermittelt?

Ich habe ihm heute ein paar einfache Grundlagen zur Programmierung in C# vermittelt: Programmstruktur und Aufbau, Namespaces, Variablen und ihre Typen, Kontrollstrukturen wie Fallunterscheidungen und Schleifen, sowie ein wenig Windows Forms Entwicklung (Applikationsentwicklung unter Windows) und natürlich wie man in der Entwicklungsumgebung Visual Studio 2015 arbeitet.

War das ein einmaliges Zusammentreffen oder ist es denkbar so etwas gar regelmäßig  anzubieten?

Das Ganze ist ein Testballon meinerseits. Im Moment läuft es gut, Mahmoud ist sehr motiviert und macht gut mit. Ich hatte mir vorgestellt, dass in einer ersten Zeit regelmäßig zu machen, aber langfristig dass dann auf eine online Geschichte auszuweiten, denn ich verfahre ansonsten eine Menge Benzin und ich muss ja nicht wirklich physisch anwesend sein.

Wird Mahmoud bei dir weiterhin Einzelstunden bekommen oder ist es denkbar hier weitere Interessenten hinzu zu holen?

Ich bin da vorsichtig offen, denn Mahmoud ist ein Sonderfall. Er hat technisches Vorwissen und ist sehr motiviert. Ich hatte über Sebastian vorsichtig angeregt, das Angebot eventuell weiter publik zu machen, aber er meinte, dass viele Flüchtlinge eher unverbindliche Zusagen gäben.

Wenn es jemanden interessiert, dann kann er oder sie gerne anfragen, aber ich würde mir schon wünschen, dass Interessenten sich bewusst sind, dass es nicht einfach wird und dass man sich selber bemühen muss. Idealerweise soll es eher so sein, dass die Teilnehmer nach einer Weile sich weiterführende Themen selber erarbeiten und wir uns zu Fragestunden oder Themenschwerpunkten treffen, etwa Thema Datenbanken und deren Ansprachen, oder Entwurfsmuster zur Entwicklung.
Auch hat Mahmoud selber schon eine Handvoll Ideen für Applikationen, die er gerne selber entwicklen möchte – das ist gut, denn das motiviert ihn noch mehr.
Nun zu dir, Christophe: Wer bist du, außer ehrenamtlicher Lehrer und was ist deine Motivation?
Ich bin seit 20 Jahren im Bereich neue Medien und Applikationsentwicklung unterwegs, und weiss, wie kompliziert und schwer der Einstieg in die Programmierung sein kann. Meine Motivation das anderen zu vermitteln ist auch, dass es in der Informatik noch möglich ist sich allein über Spezialisierung und Können zu qualifizieren.
Mahmoud und seine Frau Dalia mussten die Erfahrung machen, dass Ihre Diplome und Zertifikate aus Syrien hier erstmal nichts wert sind. Und das, obwohl beide studiert haben und Mahmoud Trainer der syrischen National-Basketballmannschaft gewesen ist…
Wenn die Beiden so weiter machen, sind die in ein paar Jahren vollends integriert, da mache ich mir gar keine Sorgen. Und das will ich unterstützen, wenn ich kann.
Danke Christophe!
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Die GarageBilk möchte das ebenfalls unterstützen und sponsert Christophe und Mahmoud die Räumlichkeiten für kostenfreie Progammierstunden.
Mit Unterstützung der Diakonie Düsseldorf  und durch das große Engagement von Sebastian Riesop stellen wir seit dem 16. November übrigens regelmässig zweimal wöchentlich Raum für Sprachkurse in der GarageBilk zur Verfügung. Mehr hierzu und dem Beitrag der GarageBilk zur Integration von Flüchtlingen lest ihr hier.