(C) Robert Poorten

Coworker der GarageBilk Teil 44 – Holger Prang

Unseren Coworker des Monats kennen diesmal schon viele von euch, die meisten aber nur von Weitem ;-)


Hallo Holger, viele kennen Dich eigentlich nur vom Vorbeilaufen. Was ist der Grund dafür?

Stimmt, ich bin eines dieser ‚Kellerkinder‘ aus dem GarageLab und düse deswegen meistens schnurstracks die Treppe hinunter. Ich bin zwar selbstständig, nutze aber die schönen Office-Ressourcen des Coworking Space eher sehr selten. Primär aus dem Grund, da ich als IT-Berater meistens direkt beim Kunden sitze.

Aha. Du gehts also in den Keller. Um da was zu machen? Lachen?

Schnell beantwortet: Ich baue Dinge. Sinnfreier und sinnvoller Art. Oder um den Buzz-Wort-Generator zu verwenden: Ich bin ein Maker.

Angefangen hat alles vor sehr vielen Jahren im heimischen Keller bzw. eigentlich schon als Schüler, da ich mich in meiner Jugend mit Modellbau beschäftigt habe. Schiffe, Autos, Flugzeuge und Fischer-Technik. Dabei wurden meistens Bausätze verwendet und danach das Modell ordentlich gepimpt. Da wurde aus einer langweiligen Motoryacht flugs ein übermotorisiertes Rennboot gezimmert. Natürlich mit ordentlich Wumms, aber einer katastrophalen Lage im Wasser.

Nach dem Studium als Wirtschafts-Ingenieur wollte ich natürlich auch etwas mit Maschinen machen, aber die Faulheit hat mich dann direkt in die damals aufstrebende Mobilfunk-Welt und IT getrieben. Letztendlich war dies auch sehr richtig, denn der Job macht viel Spaß und füllt meinen Kühlschrank ausreichend gut.

Aber der Wunsch, etwas Handfestes zu produzieren – anstelle von Software und Powerpoint – wurde in den Jahren immer größer. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass ich mich als Jugendlicher sehr mit dem Thema Öl-Krise beschäftigt habe und Teil der Anti-Atomkraft-Bewegung war. Vor ca. 7 Jahren habe ich dann angefangen, im heimischen Keller eine Werkstatt zu errichten, um an einer Idee für eine fliegende Windkraftanlage zu arbeiten. Mit steigender Intensität, so dass ich heute nur noch ca. 60% meiner Zeit für meinen Beruf verbringe, und die restliche dann für private Projekte.

Wie bist Du dann zum GarageLab gekommen?

Wenn man ständig alleine im Keller sitzt und zig Werkzeuge und Maschinen kauft, stellt man sich schon die Frage, ob das der richtige Weg ist. Auch finanziell. Also habe ich vor 3 Jahren frustriert vor dem Rechner gesessen und gegoogelt, ob es nicht in Düsseldorf eine Gemeinschaftswerkstatt oder ähnliches gibt. Und siehe da: Im CoWorking-Space gab es eine regelmäßige Veranstaltung ‚Printing 3D-Objects‘. “Och, da gehste mal hin”. Und dort saßen abends an einem Tisch ein paar Leute, die irgendwelche Plastik-Teile mit lautem Getöse ausdruckten. Da ich im Studium bereits bei der 3D-Drucker-Firma in München gearbeitet habe, war ich natürlich von den Möglichkeiten dieser einfachen Drucker begeistert. So habe ich dann auch Axel Ganz kennen und schätzen gelernt.

Seitdem engagiere ich mich ehrenamtlich im Verein und wir haben zusammen ein FabLab errichtet, in dem man alle Maschinen und Werkzeuge findet, die man für die Herstellung von realen Dingen benötigt. Ob nun für den privaten Gebrauch oder auch als StartUp. Seien es Möbel, elektronischer Nippes, sinnvolle Hilfsmittel für den Hausgebrauch oder eben auch mal nur ein witziges Spielzeug, das einfach nur Spaß machen soll.

Was wollt ihr mit dem FabLab erreichen?

Die Do-It-Yourself-Bewegung hat gerade durch das Internet, 3D-Drucker und günstige Elektronik einen enormen Schub erfahren. Gleichzeitig werden sehr viele Berufe – auch die der Ingenieure – zu 99% am Schreibtisch ausgeführt. Letztendlich sitzt man entweder im Meeting oder vor dem PC.

Viele Menschen haben deswegen den Wunsch, endlich wieder was mit den Händen zu machen. Am Ende des Tages etwas vor sich in der Realität zu sehen. Man merkt richtig, wie sehr unsere Mitglieder Spaß am ‚machen‘ haben und das gerne auch ohne eine konkrete Planung. Getreu dem Motto: ‚Ach, ich probier das jetzt mal…‘

Und ich bin auch der Meinung, dass unsere Zukunft nicht in der Hand von BigData-Analysen oder irgendwelchen Apps liegt, sondern in Dingen, die wir nutzen können. Es war noch nie so einfach, ohne entsprechende Ausbildung eine Idee in einen konkreten Prototypen oder ein Produkt umzuwandeln. Etsy, DaWanda und Kickstarter stellen gleichzeitig neuartige Vertriebsmöglichkeiten dar. Das war vor 10 Jahren nicht denkbar.

Das GarageLab soll hierzu die richtige Infrastruktur bieten. Und zusammen mit der GarageBilk bieten wir damit alles, damit kleine Unternehmen und StartUp loslegen können.

Auch durch entsprechendes Know-How in Form von Workshops und Kursen. Nur leider hapert es daran, da wir alle ehrenamtlich unterwegs sind und nicht einfach unsere Freizeit für die Vorbereitung und Durchführung verballern können. Leider.

Was sind die nächste Schritte, die das GarageLab plant?

Nachdem unsere Werkstätten in den letzten Jahren gut ausgebaut wurden, werden wir im April das Thema Jugendliche & Technik zusammen mit dem VDI im Rahmen des Programms Zukunftspiloten starten. Ich freue mich sehr, dass der VDI das GarageLab für den Bezirk Niederrhein ausgewählt hat. Ich hoffe, dass wir die hohen Erwartungen an das Programm erfüllen können und mit den Schülern zusammen richtig coole Projekte rocken.

Und natürlich startet auch dieses Jahr wieder unser verrücktes Rennen RocketDragRace. Zusammen mit der Handwerkskammer werden wir zum Tag der Technik unsere Raketen-Autos an den Start schicken und hoffentlich nicht nur spektakuläre Rennen sehen, sondern auch höchst amüsante Unfälle.

Und Deine Projekte?

Mein Open-Source Projekt Airfling nimmt endlich konkrete Züge an. Das Ziel ist es, eine Windkraftanlage zu bauen, die – dank Massenproduktion – extrem günstig ist. Nicht besonders leistungsfähig, aber ausreichend genug, um z.B. Smartphones zu laden oder kleine Wasserpumpen anzutreiben. Airfling ist weniger ein Produkt für unsere Region, als eine Lösung für die armen Regionen dieser Welt. Hier würde eine günstige Energiequelle insbesondere den Bauern sehr helfen, die Erträge zu steigern. Vor dem Hintergrund von rapide steigenden Bevölkerungszahlen ist dies ein klitzekleiner Versuch, die Welt durch Technologie zu verbessern.